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Standpunktrede einer jungen Autistin zum Thema Lebensmotto.

„Überleben in dieser so „verständnisvollen“ Welt“

Ich bin Autist mit Asperger Syndrom und hatte bis gestern kein wirkliches Lebensmotto.

Es gab keine Notwendigkeit dafür, bis mir im Gespräch aufgefallen ist, dass ich schon unbewusst seit langer Zeit schon nach einem lebe.

Ich überlebe zu „Corona-Zeiten“ jeden Tag aufs Neue. In den letzten Monaten zählte nur das für mich. Der Kampf um einen Einzelfallhelfer, Lehrern zu vermitteln, wo meine Störung liegt, Bemerkungen/ Ignoranz von Mitmenschen, welche leider überwiegt, sind nur ein Bruchteil.

Überleben ist nicht nur bei mir das Ziel. Es gibt viele Menschen mit Ängsten, Problemen oder Schicksalsschlägen. Für alle gilt der gleiche Vorsatz: „Den heutigen Tag überleben.“

Mir geht es darum, bis zum nächsten Ziel zu überleben, immer in kleinen Etappen. Auch wenn, wie im Moment, die Bürokratie und Corona gegen mich sind.

Ich brauche Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit und genaue Sprache, also nur eine normale Katastrophe und keine Katastrophe vom Drama (Doppeldeutigkeit der Wörter). Einzeln gegliederte Aufgaben, ein Satz – eine Bedeutung, eine Aufgabe. Eine Aufgabe mit 5 Unterpunkten und verteilt auf 10 Zeilen lässt mein Überleben ziemlich gering werden.

Das alles ist allein schon in der Schule nicht zu bewältigen. Wie soll ich es denn allein zu Hause im Homeschooling? Ich bin 18 Jahre alt und möchte selbstständig arbeiten, kann aber nur mit Hilfe überleben.

Durch den Autismus-Verein weiß ich, dass es nicht einfacher wird als Aspi im Leben,
aber man kann es schaffen, durch die Hilfe und Bereitschaft anderer. Sie müssen nur akzeptieren und auf kleine Dinge achten.

Wie soll ich argumentieren? Was für Zitate bringen? Gesetze, Vorschriften, Empfehlungen zum Umgang mit…

Es ist doch allein nur die Akzeptanz des Gegenüber, der das Leben beider Seiten reicher macht.

Alle reden doch immer von Gleichstellung, oder „Ich habe kein Problem damit.“.
Warum muss ich mich als Autist dann verteidigen, dass es Nachteilsausgleiche oder in manchen Situationen eine andere Behandlung gibt.
Ich habe in den letzten Jahren viele Erfahrungen mit Situationen gemacht, in denen mein Umfeld Verständnis versprochen hat, bis zu dem Moment, als ich dieses Verständnis gebraucht hätte.

Also Lebensmotto, ja: „Überleben in dieser so „verständnisvollen“ Welt“.

Wir danken von ganzem Herzen für die Zusendung des Beitrags!